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Basel III Umsetzung & Deadlines

Basel III – Ein Begriff der derzeit durch die Medien geht. Das seit der globalen Finanzkrise 2007 von den Staatsregierungen gefordertes Regulierungspaket ist nun veröffentlicht und bereit für die Umsetzung. Doch nun kommt es zu Verzögerungen. Bis zum 01.01.2014 sollen die Basel III-Regeln in das nationale Recht integriert werden. Derzeit ist aber nicht klar, ob diese Frist noch eingehalten werden kann. Doch bis dahin stellt sich aber die Frage

„Was verbirgt sich hinter dem Regulierungspaket Basel III?“

Laut der Wikipedia bezeichnet der Begriff Basel III ein Reformpaket des Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) für die bereits bestehende Bankenregulierung Basel II. Es stellt die Reaktion auf die seit 2007 offengelegten Schwächen der Bankenregulierung dar. Eine schrittweise Einführung der neuen Basel III Regelungen ist dementsprechend bis spätestens zum 1. Januar 2019 vorgesehen.

Chronologie von Basel III inkl. aller Beteiligten und deren Resultate.

Chronologie von Basel III inklusive aller Beteiligten und deren Resultate.

Chronologie von Basel III inkl. aller Beteiligten und deren Resultate.

Die drei Kernziele von Basel III sind die folgenden:

  1. Steigerung des Eigenkapitals,
  2. Limitierung des Verschuldungsgrades und
  3. Limitierung der Liquiditätsrisiken

Zur Steigerung des Eigenkapitals werden folgende Vorgaben gemacht:

  • Differenzierung zwischen hartem und ergänzendem Kernkapital sowie Ergänzungsmittel;
  • Beschrängkung der Eigenkapitalbestandteile auf Verlusttragung – bisher keine Mindestquoten für (hartes) Kernkapital und Gesamtkennziffer;
  • Streichung der Drittrangmittel (z.B. IHS mit Nachrangabrede);
  • Strengere Regelungen für Abzugspositionen vom regulatorischen Kapital (zukünftig komplett vom Kernkapital);

Thema Verschuldung: zur Limitierung des Verschuldungsgrades (Leverage Ratio) von Instituten wurden folgende Vorgaben als Absicherung gegen Modellrisiken gemacht:

  • Leverage Ratio ist der Verschuldungsgrad;
  • Begrenzung des Verschuldungshebels der Institute (bisher gab es keine Mindestquote);
  • Kennzahl ist nicht risikosensitiv;

Schließlich wurden zum Thema Liquidität neu Kennzahlen eingeführt und neue Vorgaben erstellt, um die Liquiditätsrisiken zu Limitieren:

  • Kurzfristig: Liquidity Coverage Ratio (Liquiditätsdeckungskennzahl);
  • Längerfristig: Net Stable Funding Ratio (Stabile Refinanzierungskennzahl);
  • Zusätzliche Beobachtungskennziffern: (z.B. Konzentrationskennziffern);
  • Monitoring Tools; Stresstesting;

Detailierte Informationen zu den Basel III Kennzahlen erhalten Sie hier.

Doch was sind die Resultate die möglicherweise mit der Umsetzung von Basel III auf den Finanzsektor einwirken?

Zusammen mit der Neufassung der MaRisk sollen die Banken mit Basel III in Verlustfällen tragfähiger werden. Das Finanzsystem an sich soll durch die Restrukturierung stabilisiert werden und gleichzeitig entstehen einheitliche internationale Mindestkapitalanforderungen. Vor allem aber werden auch Refinanzierungsrisiken durch strengere Liquiditätsvorschriften reduziert.

Auch Kunden und Aktionäre sollen von der größeren Stabilität der Banken profitieren. Investitionen und Anlagen in den Unternehmenswert werden dadurch nachhaltiger gesichert.

Dennoch wird befürchtet, dass Basel III auch negative Auswirkungen mit sich bringen kann.

Mögliche negative Folgen im Zusammenhang mit der Einführung von Basel III

Mögliche negative Folgen im Zusammenhang mit der Einführung von Basel III

Fazit

In Erwartung der neuen Eigenkapitalregeln trennen sich derzeit Banken weltweit von Vermögenswerten, senken Ihre Mitarbeiterzahlen und fokussieren sich stärker auf das Thema Kostenreduktion und Prozessvereinfachung sowie die Neuausrichtung der Geschäftsmodelle.

Auch wenn das neue Regelwerk Basel III zur Finanzmarktstabilisierung beiträgt, wird das Problem des sog. “Moral Hazard” unserer Einschätzung nach nicht konkret genug adressiert. Des weiteren sollte Basel III immer im Zusammenhang mit anderen regulatorischen Richtlinien wie den MaRisk & MaComp, den Vorgaben zum IKS sowie den MiFid (II) als ganzheitliches Rahmen- und Regelwerk gesehen werden.

Weiterführende Themen, die mit Basel III in Verbindung stehen, finden Sie hier:

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Basel III Kennzahlen

Hartes Kernkapital (Core Tier-1):
Das harte Kernkapital umfasst gemäß Basel III zukünftig nur noch das Grundkapital und einbehaltene Gewinne, da eine Bank nur darauf jederzeit zurückgreifen kann. Stille Einlagen zählen bei Aktiengesellschaften ab 2013 grundsätzlich nicht mehr dazu.

Kernkapitalquote:
Mit Basel III wird die Kernkapitalquote verdreifacht. Die Quote wird berechnet indem man das haftende Eigenkapital (Kernkapital) durch die Summe der Risikopositionen teilt. Je höher der Wert der Kernkapitalquote, desto größer der Anteil des Kreditvolumens, das durch Eigenkapital gedeckt ist.

Liquidity Coverage Ratio (LCR):
LCR hat zum Ziel die Banken gegen kurzfristigen Liquiditätsstress (30 Tage) abzusichern. Sie ermittelt sich aus dem Verhältnis von hochliquiden Aktiva zu Nettomittelabflüssen unter Stress. (Bankspezifische Stressfaktoren sind beispielweise Einlagenabzug und die Ziehung von Kreditlinien.

Net Stable Funding Ratio (NSFR):
NSFR hat die Sicherstellung eines Mindestbestandes an langfristiger Refinanzierung und die Begrenzung der Inkongruenz zwischen Fristenstrukturen von Aktiv- und Passivgeschäft zum Ziel. NSFR ermittelt sich aus dem Verhältnis von „Bestand an stabiler Refinanzierung“ durch die „erforderliche stabile Refinanzierung“ innerhalb eines Stressszenarios im Ein-Jahres-Band.

Leverage Ratio:
Diese Ratio gibt an, in welchem Grad sich ein Unternehmen durch die Aufnahme von Fremdkapital verschuldet hat. Dazu setzt man das bilanzielle Fremdkapital ins Verhältnis zum bilanziellen Eigenkapital.

Die neuen Kennzahlen (KPIs) von Basel III

Die neuen Kennzahlen von Basel III

Für die Ermittlung der wesentlichen Quoten für Eigenkapital, Liquidität und Verschuldungsobergrenze sind unterschiedliche Zeitpläne vorgesehen. Hier ein Gesamtüberblick über die Übergangsregelungen:

Übergangsregeln für die Basel III EInführung - Gesamtüberblick

Übergangsregeln für die Basel III EInführung – Gesamtüberblick

DELA – Management im Bad Bank Umfeld mit EAM und Lean

Im Rahmen mehrerer Projekte im Umfeld des Management von Abwicklungsanstalten (engl. Deconsolidation Environment) wurden mehrere Kriterien identifiziert, die aus Management-Gesichtspunkten spezifisch adressiert werden müssen:

  1. Eine Abwicklungsanstalt wird aus einer akuten Notlage heraus gegründet. In den ersten Monaten geht es deshalb darum, schnell und effizient die notwendigsten Strukturen aufzubauen und deren Betrieb zu überwachen. Das rasante Wachstum der sich entwickelnden Organisation gilt es effektiv zu steuern und zu überschauen.
  2. Die Gründung einer Abwicklungsanstalt steht immer im Fokus der Politik und Öffentlichkeit. Tiefgreifende Vorgaben seitens der Politik greifen massiv in die Steuerungssysteme der sich bildenden Abwicklungsanstalt ein. Die Einhaltung und Erfüllung öffentlicher, politischer und rechtlicher Anforderungen haben somit oberste Priorität. Diese Situation führt sowohl zu einem exorbitanten Sofort-Aufwand als auch in der Folge zu einem erheblichen Erfüllungs-Nachfolgeaufwand. Planung und Steuerung müssen darauf ausgerichtet werden.
  3. Dringendes Reputationsmanagement Auf der Kundenseite ist für die Abwicklungsanstalt selbst sowie auch insbesondere für die verbleibende Bank intensives Reputationsmanagement notwendig, um das Vertrauen der Marktteilnehmer wiederzuerlangen.
  4. Regulatorische Compliance Die Abwicklungsanstalt ist in Teilen von der Erfüllung der MaRisk und Basel II / III Anforderungen befreit, die verbleibende Bank jedoch nicht.
  5. Parallele Existenz zweier eng verbundener, dennoch selbstständiger Körperschaften (verbleibende Bank und Abwicklungsanstalt).

Auf Grund der meist sehr unübersichtlichen Situation in Verbindung mit hochgradig zeitkritischen Entscheidungssituationen ist ein hochgradig agiler Managementansatz von nöten. Dem Management wird mittels einer DELA (Deconsolidation Environment Lean Architecture) ein einfaches übersichtliches Werkzeug an die Hand gegeben, mit dem sowohl die verbleibende Bank, als auch die neu gegründete Abwicklungsanstalt überblickt und gesteuert werden kann.

Basis einer DELA ist ein 5-Ebenen Modell, das aus einer adaptierten Enterprise Architecture resutiert. Die fünf Ebenen sind:

Innerhalb der einzelnen Ebenen wird das Lean Prinzip zur Reduktion der Aufwände und zur Maximierung der Effizienz (80-20 Grundastz) angewendet. Insbesondere durch die Vernetzung zwischen den einzelenen Ebenen werden hierbei wichtige Informationen schnell abrufbar. Die Formalisierung der Daten und die strukturierte Vorgehensweise ermöglichen einerseits einen schnellen Überblick und andererseits ebenso schnelle und detailierte Folgeabschätzungen. Damit ermöglicht die DELA dem Management ein sehr agiles Vorgehen und macht eine direkte und zeitnahe Ableitung von Maßnahmen aus der Geschäftsstrategie möglich.